Universität Rostock -
Medizinische Fakultät - Institut für Arbeits- und Sozialmedizin |
|
|
| Machen Sie mit: Bessere
Dias |
|
|
|
Teilnehmer wissenschaftlicher Veranstaltungen klagen ganz
regelmäßig und leider auch berechtigt über schlecht gestaltete Dia- und
Folienpräsentationen.
Wohl jeder Kongreßbesucher kennt das: "Irgendwo da vorn" wird in einem langen,
schmalen Raum auf einer vom Umfeld nur undeutlich abgesetzten Fläche etwas dargeboten,
das den Anspruch erhebt, ein Vortragsdia zu sein. Auf dunklem Hintergrund steht in
kontrastarm abgesetzter Farbe und Helligkeit eine viel zu kleine, oft gar nicht mehr
lesbare Schrift. Mit ihr wird eine so umfangreiche Informationsmenge offeriert, daß diese
in der verfügbaren Präsentationszeit gar nicht erschlossen werden kann. Gegen den
letztgenannten Umstand könnte allerdings auch eine exzellente Gestaltung des Dias nicht
weiterhelfen.
Schlecht lesbare oder schwer verständliche
Projektionsbilder sind eine Zumutung für jeden Zuhörer !
Dabei ist es doch ganz einfach, durch die Beachtung nur sehr weniger
Gestaltungsempfehlungen gute Dias oder Folien zu erstellen:
- Der Inhalt eines guten Dias ist innerhalb weniger
Sekunden visuell erfaßt und verstanden.
- Die Schrift ist gut lesbar, auch aus der letzten
Reihe des Vortragssaales.
- Bedenken Sie dazu bei der Herstellung Ihrer Dias:
Eine Diaprojektion ist mit hoher Wahrscheinlichkeit dann gut lesbar, wenn auf
dem Dia selbst alle Einzelheiten mit bloßem Auge aus 20 bis 25 cm Entfernung noch
deutlich zu erkennen sind. Gleiches gilt, wenn bei einer Dia-Vorlage im Format A4
(29,7 cm x 21 cm) oder bei einer Folie für die Overhead-Projektion die Schrift selbst bei
einem Betrachtungsabstand von ca. 1,80 m immer noch gut zu lesen ist.
- Bei Vorträgen in langen und schmalen Räumen erscheint die
Projektionsfläche aufgrund der großen Betrachtungsentfernung besonders klein. Bei
Kenntnis dieser Besonderheit ist bei der Anfertigung von Dias mit zusätzlicher Sorgfalt
auf eine genügend große Schrift zu achten.
- Dias mit Texten bis zu 7 Zeilen gelten als
noch einprägsam. Die Überschrift soll maximal 5 Worte, alle weiteren Zeilen maximal 7
Wörter aufweisen.
- Graphische Darstellungen sind besser verständlich
als Zahlentabellen. Aber Vorsicht, man kann zu viel des Guten tun, detailüberladene
Graphiken verwirren eher.
- Farbe im Diapositiv muß eine Funktion tragen. Mit
ihrer Signalwirkung können wichtige Textstellen hervorgehoben und
die Erkennbarkeit von Details in bildlichen Darstellungen verbessert werden; sie kann
Gliederungs- und Ordnungselement bei Diagrammen sein. Aber auch hier ist Zurückhaltung
geboten: Aufwendige "Farbenspiele" mindern die didaktische Klarheit.
- Achten Sie auf einen genügend hohen
Helligkeitskontrast zwischen Schrift (bzw. Graphik) und Hintergrund.
- Dias, bei denen eine dunkle Schrift mit halbfetten
oder fetten Schrifttypen auf einem hellen Untergrund steht, erfordern eine
geringere Raumverdunkelung. Sie erhöhen damit eher die Vigilanz des
Zuhörers und erleichtern ihm die "detektivische Leistung" beim Erschließen
eines Dias. Sie sind besser lesbar, als helle Objekte auf dunklem Grund und
erleichtern dem Betrachters damit auch seine "kognitive Leistung".
Bedenken Sie: Helle Schrift auf dunklem Hintergrund oder
gar farbige Schrift auf einer dunkelfarbigen Fläche ist in unvollständig abgedunkelten
Räumen nur schwer, beim Zuschalten einer "Mitschreibe-Beleuchtung" meist gar
nicht mehr lesbar.
Gleichartige Erkennungsschwierigkeit sind zu erwarten, wenn Sie sich bei grafischen
Darstellungen für einen dunklen Hintergrund entscheiden oder sich Grafik und Hintergrund
in Helligkeit und/oder Farbe nicht kräftig genug unterscheiden.
Überzeugen Sie sich selbst
|
|
|
|
|
|
Schwarze Schrift
Dunkelblaue
Schrift
auf gelbem Grund |
|
|
Hellblaue Schrift
Rote
Schrift
auf blauem Grund |
|
|
|
recht gut lesbar
|
|
eher schlecht lesbar |
|
|
|
|
|
|
|
Schwarze Schrift
auf weißem Grund |
|
|
Dünne
kleine weiße Schrift
auf schwarzem Grund |
|
|
|
gilt als altmodisch
und simpel,
obwohl lesbar |
|
Projektionsfläche
wirkt insgesamt dunkel,
ungünstig für die Aufmerksamkeit |
|
|
|
|
|
|
|
Weiße Schrift
auf blauem Grund |
|
|
Dünne kleine weiße Schrift
auf blauem Grund |
|
|
|
gilt noch immer als modern, wird vielfach
benutzt,
obwohl in halbdunklen Räumen oft schlecht lesbar |
|
|
|
|
|
|
- Verwenden Sie eine gut lesbare Schrift !!
Noch vor kurzer Zeit galten Serifenschriften
wie die Times New Roman als besser lesbar
im Vergleich zu serifenlose
Schriften wie Arial oder Helvetica. Heute ist man dazu eher der gegenteiligen Ansicht. (Aus diesem
Grunde wurde auch die Schrift dieser Seite geändert).
- Widerstehen Sie der Verführung zu verschnörkelten
Kunstschriften.
- Verwenden Sie in einem Text nicht mehr als zwei
verschiedene Schriften.
- Texte mit Groß- und Kleinbuchstaben
werden schneller gelesen und verstanden, als TEXTE MIT AUSSCHLIESSLICH GROSSBUCHSTABEN.
- Verfassen Sie Ihre Dias in der Sprache, in der Sie
auch Ihren Vortrag halten !!
- Auch wenn es wie Ketzerei klingt: Es ist ein Irrtum, daß
durch Doppelprojektion mehr Information zu vermitteln sei. Zu einem konkreten Zeitpunkt
kann unser Sehorgan nur ein Sehobjekt perzipieren und kognitiv erschließen. Bei
Doppelprojektion werden die beiden Bildteile nacheinander bzw. abwechselnd betrachtet.
Genau wie beim Gestaltungselement "Farbe" ist ein Einsatz der
Darbietungstechnologie "Simultan-" bzw. "Doppelprojektion" nur
dann sinnvoll, wenn sie tatsächlich eine Funktion trägt und zu einer
didaktisch besseren Informationsübermittlung beiträgt.