Universität Rostock - Medizinische Fakultät - Institut für Arbeits- und Sozialmedizin
E. Münzberger: Modularer Lehrbrief "Einführung in die Arbeitsmedizin"

Abschnitt: Exposition gegenüber nichttoxischen Stäuben


Gliederung Lehrbrief _ Gefahrstoffe pf_ho_m.gif (315 Byte)
Hinweis:

Ausführliche Informationen zu den Gefahrstoffen (Wirkungen, Krankheitsbilder, Prävention) finden Sie u.a. in folgenden on-line-Quellen:

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Definition:
Als Staub werden feinkörnige bzw. feinfaserige Teilchen einer festen Substanz bezeichnet, die abgelagert sind oder sich in einem Gas oder einer Flüssigkeit im Schwebezustand befinden.
Für arbeitsmedizinische Belange ist der im Trägergas Luft dispergierte Staub von Bedeutung (Staubaerosol).
Als nichttoxisch sind Stäube einzuordnen, die vorwiegend am Ort ihres Kontaktes Reaktionen hervorrufen.

 

Bedeutung

    Staub ist auch in der natürlichen Umwelt vorhanden. Der weitaus größere Teil entsteht jedoch durch künstliche Quellen wie Feuerstätten und Industrieanlagen, vorwiegend beim Zerkleinern, Mahlen und Umfüllen in Stoffumwandlungsprozessen. Viele industrielle Zwischen- und Endprodukte sind staubförmiger Natur und können bei ihrer Verwendung in die Luft dispergiert werden.
    Trotz großer Erfolge in der Staubbekämpfung ist die Exposition gegenüber nichttoxischen Stauben von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Besonders hohe Staubbelastung besteht im Bergbau, im Hüttenwesen, in Gießereien, in der Bau-, Baustoff- und chemischen Industrie sowie in der Landwirtschaft.

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    Was verstehen Sie unter "nichttoxischen Stäuben"?

Wirkungen anorganischer Stäube

Durch die Zyklonwirkung der vielfach gekrümmten, mit einem feuchten Flimmerepithel ausgekleideten Atemwege und die Möglichkeit der Phagozytose von Fremdpartikeln sowie den Fett-Säure-Mantel der Haut verfügt der Organismus über wirkungsvolle Schutzmechanismen.

Die Staubwirkungen werden bestimmt durch:

  • Größe und Form der Staubteilchen.

  • Für die Reaktionen des Atmungssystems ist der Gehalt des inhalierten Staubes an kleinen, lungengängigen Teilchen ausschlaggebend. Partikel mit einem Durchmesser von mehr als 10  µm bleiben bereits im Nasen-Rachen-Raum haften. Teilchen in der Größenordnung 5 bis 10 µm werden im Bronchialbaum festgehalten und wieder nach außen befördert. In die Lunge gelangen nur Teilchen mit einem Durchmesser unter 5 µm, aus dem Bereich von 1 bis 3 µm allerdings fast 100 % der eingeatmeten Menge. Der in den Lungenbläschen sedimentierte Anteil wandert über die Lymphspalten des Lungengewebes zu den Lymphknoten an der Lungenwurzel und wird dort deponiert.
    Nadelförmige Partikel können in das Gewebe eingespießt werden. Auf diese Weise gelangen Asbestnadeln bis zu einer Länge von 100 µm in das Lungengewebe.

  • Staubmenge und Expositionszeit.

  • Gesundheitsschäden sind zu erwarten, wenn die Schutz- und Selbstreinigungsmechanismen überfordert sind. Dafür sind aktuell die Staubkonzentration der Luft und hinsichtlich der Gesamtbilanz die täglichen Expositionszeiten sowie die Zahl der Expositionsjahre ausschlaggebend.

  • Spezifische Eigenschaften des Staubes.

  • Nahezu alle Stäube verursachen Reizerscheinungen auf den Schleimhäuten. Diese hat auch eine Resistenzminderung der Epithelien des Respirationsorgans zur Folge und ist eine Erklärung dafür, daß die chronische Bronchitis bei Staubexponierten häufiger zu beobachten ist als Im Durchschnitt der Bevölkerung.
    Stäube können sich in der Lunge ablagern und Gewebsreaktionen mit der Neubildung von Bindegewebsfasern aus. Das damit entstehende Krankheitsbild wird als Pneumokoniose oder Staublunge bezeichnet.
    Allergisierende Stäube -  meist pflanzlichen oder tierischen Ursprungs  - können ein Bronchialasthma induzieren.
    Darüber hinaus sind bei den definitionsgemäß als nichttoxisch klassifizierten Stäuben weitere spezifische Wirkungen möglich, wie chemisch-irritative Reaktionen, krebserzeugende (z.B. Asbest) und infektiöse Wirkungen (Staub mit Gehalt an Bakterien oder Pilzsporen).

  • Individuelle Reaktionsweise

  • Der Schleimhautstatus, die Fähigkeit zur Sekretbildung und -verflüssigung und andere, noch ungenügend erforschte Momente einer individuellen Disposition, ebenso Vorschädigungen des Atemorgans und die Lebensweise bedingen unterschiedliche Reaktionen Exponierter bei gleichem Expositionsmuster.

 

Inwieweit verfügt der menschliche Organismus über Staubschutzmechanismen?

Wovon ist die Wirkung von nichttoxischen Stäuben abhängig?

Welche generellen Staubwirkungen kennen Sie?

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Besondere Wirkungen fibrogener Stäube

Die häufigste Folge ist die Entwicklung einer kollagenösen Pneumokoniose.

Diese ist gekennzeichnet durch

  • eine Bindegewebsreaktion mittleren bis starken Grades, gefolgt von einer Abnahme der Elastizität des Lungengewebes,

  • eine Zerstörung der Alveolarstruktur,

  • die Irreversibilität der Veränderungen.

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Was ist eine Pneumokoniose

Was ist eine kollagenöse Pneumokoniose?

Die wichtigsten kollagenösen Pneumokoniosen sind die Silikose und die Asbestose. Beide Krankheiten weisen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf:

  • In der Regel ist für ihre Entwicklung eine mehr als zehnjährige Expositionszeit erforderlich,

  • sie gehen mit einer Leistungsabnahme, später einer Atemnot einher,

  • sie zeigen typische Veränderungen in Form von Verschattungen im Röntgenbild,

  • sie führen zu Störungen des Gasaustausches und wegen der Zerstörung der Blutkapillaren im Lungenkreislauf zu einer Überlastung des Herzens,

  • sie schreiten auch nach Expositionsbeendigung fort,

  • sie können nicht ursächlich behandelt werden.

Silikose (BK Nr. 4101)

Ursache für ihre Entwicklung ist die Inhalation von Stäuben mit freier kristalliner (nicht amorpher) Kieselsäure (Quarz, Tridymit, Cristoballit).

Als Komplikation wird häufig eine chronische Bronchitis beobachtet. Außerdem tritt bei Silikosepatienten eine aktive Lungentuberkulose fast zwanzigmal häufiger auf als in der übrigen Bevölkerung.

Besondere Gefährdung besteht im Steinkohlen- und Erzbergbau, bei der Gewinnung und Verarbeitung von Schiefer, Natursteinen und -sanden, in der keramischen und Glasindustrie, für Gußputzer und Former in Gießereien, beim Säubern und der Reparatur von Industrieöfen. Quarzhaltige Füllstoffe werden vielen Produkten wie Plaststoffen, Gummi, Farben, Emaillen, Spachtelmassen, Pflanzenschutzmitteln u.a. zugesetzt.

Nennen Sie mindestens 5 Tätigkeiten, für die eine Exposition gegenüber quarzhaltigen Stäuben zu erwarten ist.

Anatomie, Pathophysiologie und Klinik: Die Bindegewebsreaktionen des Interstitiums (kollagenfaserige Granulome mit Neidung zur Vergrößerung, Konglomeration und narbigen Schrumpfung) sind Ursache einer zunächst obstruktiven (pathologischer Atemstoßtest als Frühzeichen), später auch restiriktiven Ventilationsstörung. Es entwickelt sich ein perinödöses oder vikariierendes Emphysem. Folge ist eine zunächst partielle(Hyoxämie), später globale respiratorische Insuffizienz (Hypoxämie und Hyperkapnie). Die Verödung von Lungekapillaren bewirkt eine Druckerhöhung im Lungenkreislauf und als deren Folge ein Cor pulmonale (Todesursache).

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Thorax-Röntgenaufnahme einer Silikose

Das Röntgenbild wird nach der ILO-Klassifikation bewertet. Es zeigt anfänglich punktförmige Zeichnungen (p-q-r) vor allem der Mittelfelder, später größere Schatten ("Schneegestöber-" oder "Schrotkornlunge"), häufig auch kalkharte Schatten im Hilusgebiet und Abnahme der Schattendichte in den emphysematösen Bereichen.

Welche Veränderungen der Lungenfunktion erwarten Sie beieiner Silikose?

Beschreiben Sie das Röntgenbild einer Silikose

Typische Begleitkrankheiten bzw. Komplikationen sind

  • chronische Bronchitis

  • Lungentuberkulose ("Silikotuberkulose, BK Nr. 4102)

  • Rheumatische Arthritis (mit Rundherdsilikose) : CAPLAN-Syndrom

  • Bronchialkarzinom (als Narbenkarzinom silikotischer Schwielen, selten!), BK Nr. 4112

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Nennen Sie Komplikationen der Silikose

Asbestose (BK Nr. 4103)

Asbest ist die Sammelbezeichnung für faserige silikatische Mineralien Die wichtigsten Hauptgruppen sind Serpentinasbeste (Chrysotil = "Weißasbest") und Amphibol- oder Hornblendenasbeste (Krokydolith = "Blauasbest", hohe biobeständigkeit, daher besonders pathogen; Amosit = "Braunasbest"). Asbeste werden wegen ihrer Hitzebeständigkeit, Verspinnbarkeit, lsolationswirkung und Säurefestigkeit verwendet.

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Asbestfaser

Trotz erheblicher Anstrengungen zur Ablösung durch weniger gefährliche Stoffe bestehen noch Expositionsmöglichkeiten gegenüber Asbest bei der Herstellung und Verarbeitung von Asbestzement, flammfesten Textilien, Filter- und Dichtungsmaterialien, Isoliermassen (Sprotzasbest), Brems- und Reibbelägen sowie Feuerschutzplatten. Besondere Gefährdung besteht bei der mechanischen Bearbeitung asbesthaltiger Werkstoffe mit hochtourigen Werkzeugen (Schneiden, Trennschleifen, Sägen, Bohren), bei Abbruch- und Sanierungsarbieten.

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Nennen Sie typische Expositionsmöglichkeiten für Asbest

Anatomie, Pathophysiologie und Klinik:

Bei der pulmonalen Form handelt es sich um eine interstitielle Lungenfibrose. Sie geht mit Belastungsdyspnoe, evtl. auch Schmerzen im Thorax einher und wird häufig von einer chronischen Bronchitis (Husten, zäher Auswurf) begleitet. Ventilationsstörungen ähnlich wie bei der Silikose sind die Folge. In der bronchoalveolären Lavage und im histologischen Lungenpräparat können "Asbestkörperchen" (= ferruginous bodies = hantelförmige Gebilde mit einer zentralen Asbestfaser und enständigen Eiweißanlagerungen) nachgewiesen werden.

Bei der pleuralen Form entwickeln sich hyaline Plaques auf der Serosa , welche kaum mit Funktionseinschrändkungen verbunden sind und eine Neigung zur Verkalkung aufweisen..

Im Röntgenbild imponieren bei der pulmonales Form meist kleine, unregelmäßige lineare Schatten (s-t-u nach ILO) insbes. basal und in Pericardnähe.

Die pleurale Form wird eher als Nebenbefund dagnostisziert. Sie zeigt bizarre, mittel- bis großflächige Figuren im Röntgenbild.

Beschreiben Sie das Röntgenbild einer pulmonalen Asbestose

Asbest hat eine krebserzeugende (kanzerogene) Wirkung. Derartige bösartige Erkrankungen sind

Beide Erkrankungen können auch ohne eine gleichzeitige Lungenasbestose auftreten.

Als ursächlich für den Krebs werden vorwiegend biobeständige "kritische Fasern" (Länge > 5 µm, Durchmesser < 3µm) angesehen.

Voraussetzung für die Anerkennung eines Bronchialkarzinoms als Berufskrebs sind

  • eine gleichzeitige röntgenologisch diagnostizierte Lungenfibrose oder

  • eine histologisch nachgewiesenen "Minimalasbestose" oder

eine vorausgegangene Exposition von 25 "Asbestfaserjahren" .

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Nennen Sie typische Expositionsmöglichkeiten für Asbest

Beschreiben Sie das Röntgenbild einer pulmonalen Asbestose

Wie schätzen Sie die Therapiemöglichkeiten und die Prognose der Silikose und der Lungenasbestose ein?

Welche Wirkung hat Asbest neben seiner fibrogenen Wirkung?

Nennen Sie Voraussetzungen für die Anerkennung eines Bronchialkarzinoms als Asbestkrebs

Weitere kollagenöse Pneumokoniosen sind

  • Die Talkumstaublunge

Talk (Speckstein) ist ein Magnesiumsilikat, welches je nach Lagerstätte Quarz oder Asbest enthalten kann.

Talkum wird gemahlen als Füll- oder Trägerstoff hauptsächlich in der Farben-, Gummi-, Elektro- sowie in der keramischen, pharmazeutischen und kosmetischen Industrie und als Puder zum Gleiten und Glatten eingesetzt.

Ursache ist eine Exposition gegenüber Aluminiumpulver bei dessen Herstellung, beim Feinstampfen und Mischen oder durch Schmelzrauche von Bauxit bei der Aluminiumgewinnung und Korundherstellung. Die durch hochgradige Schrumpfungstendenz gekennzeichnete diffuse Lungenfibrose führt frühzeitig nach kurzer Expositions- und Entwicklungszeit zu schweren Beeinträchtigungen der Lungen- und Kreislauffunktion.

Sie kagnn durch Einatmung von Staub der Ausgangsmaterialien beim Mischen oder Beschleifen ungesinterter Rohlinge in Herstellerbetrieben von Hartmetallen auftreten, kaum u m dagegen bei der Verwendung gesinterter Endprodukte (Schneid- und Bohrwerkzeuge). Hartmetalle werden aus Pulvermischungen von Wolframkarbid und Kobalt sowie unter Zusatz von Titan oder Tantalkarbid hergestellt.

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Wirkungen nichtfibrogener Stäube

Derartige Stäube verursachen nichtkollagenöse Pneumokoniosen. Ihre wesentlichen Merkmale sind:

  • der Bau der Alveolen bleibt intakt,

  • die Bindegewebsreaktion ist gering,

  • die Reaktionen sind potentiell rückbildungsfähig.

Charakteristisch sind mehr oder weniger zarte Fleckschatten im Röntgenbild der Lungen sowie fehlende Progredienz nach Expositionsbeendigung. Respiratorische Funktionseinschränkungen sind nicht zwangsläufig vorhanden.

  • Siderose

Sie tritt nach langer, selten früher als nach 10jähriger Expositionsdauer bei Brennern, Schweißern und Entrostern auf und ist durch den eingelagerten eisenoxidhaltigen Staub bedingt.

  • Anthrakose

Ursache ist eine massive Einlagerung von Kohlenstoff.
Beobachtet wird sie bei Werktätigen in der Herstellung von industriell produziertem Ruß, bei der Erzeugung von Elektrokohle und beim Umgang mit Graphitstaub Ruß wird in großen Mengen zur Farben- und Lackproduktion und als Füllstoff in der Gummiindustrie weiterverarbeitet.

Worin unterscheiden sich die Wirkungen nichtfibrogener von denen fibrogener Stäube?

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Wirkungen organischer Stäube

Stäube pflanzlichen oder tierischen Ursprungs verursachen oft allergischer Erkrankungen der Atemwege.
  go_next.gif (886 Byte) BK Nr.4301 (Durch allergisierende Stoffe verursachte Atemwegserkrankung)
  go_next.gif (886 Byte) BK Nr.4201 (Exogen-allergische Alveolitis)
Einige Beispiele dafür sind:
  Ursache; Erscheiniungsbild
Bagassosis verschimmelte Zuckermelasse
Baumwollstaublunge
(Byssinose, BK Nr.4202)
Stäube von Rohbaumwolle, Flachs oder Hanfkörnern.
Typisch : Eine Atemnot nach dem expositionsfreien Wochenende ("Montagsdyspnoe")
Bäckerasthma, Bäckerrhinitis Mehlstaub, Kleie
Drescher-, Farmerlunge Actinomyces in Heu und Stroh.
Schüttelfrost und Fieber nach Heustaubinhalation; oft Nachweis präzipitierender Antikörper
Käsewäscherkrankheit Penicillium casei
Vogelhalterlunge Proteinbestandteile in Haut und Exkrementen
Kafferösterasthma Antigene in grünen Kaffeebohnen
Holzarbeiterlunge Schimmelpilze
Proteasenlunge Papain, Subtilisin, (Waschmittelindustrie)

Stäube von Harthölzern (Eiche, Buche) können Krebserkrankungen der Nase und der Nasennebenhöhlen hervorrufen (BK Nr.4203).

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Nennen Sie Wirkungen organischer Stäube

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Prävention bei Exposition gegenüber nichttoxischen Stäuben

Da kollagenöse Pneumokoniosen nicht heilbar sind und staubbedingte Krebserkrankungen sowie allergische Krankheiten eine schwere Gesundheitsbeeinträchtigung mit zweifelhafter Prognose darstellen, kommt der Prävention eine hervorragende Rolle zu.

Das betrifft vorrangig die strikte Einhaltung der MAK- und TRK-Werte. Beispiele dafür sind in der folgenden Tabelle ("MAK- und TRK-Werte für Stäube")   enthalten.

Tabelle: MAK- und TRK-Werte für Stäube

_

Fasern / m³

mg / m³

_

Allgemeiner Staubgrenzwert (Feinstaub)

6,0

(MAK)

Quarzhaltiger Feinstaub

4,0

(MAK)

Quarzfeinstaub

0,15

(MAK)

Asbest

Krokydolith

0,5 x 106

0,025

(TRK)

Chrysotil, Amosit

1 x 106

0,05

(TRK)

Abesthaltiger Feinstaub

-

2,0

(TRK)

Als Feinstaub wird der Anteil am Gesamtstaub verstanden, welcher aufgrund des aerodynamischen Durchmessers der Partikel in die Alveole gelangen kann (0,5 - 5 µm).

Ergänzend sind bei exponierten Personen arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen (nach go_next.gif (886 Byte)BG-Grundsätzen) angezeigt.

Für das konkrete Vorgehen kommen alle in der Tabelle "Prävention bei Staubexposition" genannten Maßnahmen in Betracht.

Tabelle: Prävention bei Staubexposition

1.

Verzicht auf den Einsatz von Schadfaktoren

  • Einsatz ungefährlicher Substanzen

2.

Kontaktfreie Technologie

  • Automatisierte Prozeßtechnik mit

  • Fernbeobachtung, Fernbedienung

  • konditionierte Aufenthaltsbereiche

3.

geschlossene Prozeßtechnik,
Hermetisierung einzelner Emissionsquellen

Einkapselung von unvermeidbaren Schadstoffquellen mit Unterdruck in der Kapsel

4.

Lokale Schadstofferfassung

  • Absaugung nahe der Schadstoff-Entstehungsstelle

  • Absaugung an Materialübergabestellen

  • Komplexlösung der Zu- und Abluftführung an Arbeitsstätten durch lüftungstechnische Maßnahmen:

  • richtige Plazierung von Zuluftöffnungen

  • richtige Plazierung von Absaugvorrichtungen (Beachtung des spezifischen Gewichts des Schadstoffes; evtl. Bodenabsaugung)

  • richtig geformte Absaugrüssel entsprechend den örtlichen Gegebenheiten

5.

Schutzmittel

  • Atemschutz (Kolloidfiltermasken oder Frischluft-Atemschutzgeräte)

  • Augenschutz, Gesichtsschutzschilde

6.

Expositionsadäquate Verhaltensweise

  • richtiges "handling" mit Gefahrstoffen (z.B. Einhaltung von Arbeitsweisen, die den Schadstoffaustritt minimieren)

  • richtige Tragegewohnheiten von Körperschutzmitteln

  • Wartung, Pflege von Körperschutzmitteln

  • Einhaltung des Eß- und Rauchverbotes am Arbeitsplatz

7.

Gesundheitsüberwachung

  • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
    (BG-Grundsätze, insbes. 1.1, 1.2)

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Was verstehen Sie unter "MAK"- bzw. "TRK"-Werten
Nennen Sie geeignete Präventivmaßnahmen zum Schutz vor Schadwirkungen durch Stäube

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Übersicht: Durch Stäube verursachte Berufskrankheiten

Nr.

Berufskrankheit  

 

...

2111

Erhöhte Zahnabrasionen durch mehrjährige quarzstaubbelastende Tätigkeit

 

.......

4

Erkrankungen der Atemwege und der Lungen, des Rippenfells und Bauchfells

41

Erkrankungen durch anorganische Stäube

4101

Quarzstaublungenerkrankung (Silikose)

4102

Quarzstaublungenerkrankung in Verbindung mit aktiver Lungentuberkulose (Silikotuberkulose)

4103

Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung der Pleura 

4104

Lungenkrebs oder Kehlkopfkrebs
in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose), 
in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder 
bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbest-Faserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren (25 x 106 [(Fasern/m3) x Jahre]) 

4105

Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells oder des Pericards

4106

Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Aluminium oder seine Verbindungen

4107

Erkrankungen an Lungenfibrose durch Metallstäube bei der Herstellung oder Verarbeitung von Hartmetallen

4108

Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Thomasmehl (Thomasphosphat)

4109

Bösartige Neubildungen der Atemwege und der Lungen durch Nickel oder seine Verbindungen

 

.....

4111

Chronische obstruktive Bronchitis oder Emphysem von Bergleuten unter Tage im Steinkohlebergbau bei Nachweis einer kumulativen Dosis von in der Regel 100 Feinstaubjahren[(mg/m3)= x Jahre]
Wiss Begründung
4112 Lungenkrebs durch die Einwirkung von kristallinem Siliziumdioxid (SiO2)
bei nachgewiesener Quarzstaublungenerkrankung (Silikose oder Siliko-Tuberkulose)
Wiss Begründung

42

Erkrankungen durch organische Stäube

4201

Exogen-allergische Alveolitis

4202

Erkrankungen der tieferen Atemwege und der Lungen durch Rohbaumwoll-, Rohflachs- oder Rohhanfstaub (Byssinose)

4203

Adenokarzinome der Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen durch Stäube von Eichen- oder Buchenholz

43

obstruktive Atemwegserkrankungen

4301

Durch allergisierende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen (einschließlich Rhinopathie), die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

4302

Durch chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe verursachte obstruktive Atemwegserkrankungen, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können

 

 

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© E.Münzberger -    - letzte Revision: 07.02.07